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Ein stiller Zusammenbruch im Herzen der europäischen Wirtschaft – vor allem die Schweiz, Österreich und Deutschland sind betroffen
Deutschland, Österreich und die Schweiz sind nicht einfach nur Länder. Sie bilden das Herz des europäischen Mittelstands – jener Unternehmen, die über Generationen hinweg Arbeitsplätze geschaffen, Regionen geprägt und Innovationen hervorgebracht haben.
Doch seit zwei oder drei Jahrzehnten ist etwas ins Wanken gekommen, es ist etwas faul im Staate Dänemark.
Die Zahlen sind eindeutig: Hunderttausende Unternehmer der Babyboomer-Generation werden in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen. Viele haben keinen Nachfolger. In Deutschland wollen bis 2029 mehr Unternehmer ihren Betrieb schliessen als übergeben. In der Schweiz kämpfen zehntausende KMU mit ungelösten Nachfolgefragen. In Österreich hat beinahe jedes zweite Unternehmen in einer Nachfolgesituation keinen klaren Kandidaten. Das sind keine Fantasiezahlen und das ist auch keine Panikmache, sondern die Realität.
Und wir reden auch nicht von einem temporären Problem. Es ist eine Welle, die zwischen 2025 und 2030 ihren Höhepunkt erreicht.
Warum passiert das?
Natürlich gibt es äussere Faktoren: schwächelnde Industrien, Konkurrenz aus Asien, Bürokratie, steigende Kosten und Innovationsdruck. Doch über externe Probleme, so gravierend sie auch sein mögen, werde ich in einem zukünftigen Blogpost schreiben.
Das eigentliche Problem liegt woanders: Viele Unternehmer kümmern sich zu spät um ihre Nachfolge. Und manchmal viieell zu spat.
Über Jahrzehnte läuft alles gut. Das Unternehmen wächst. Die Kunden bleiben. Die Mitarbeiter sind loyal. Und plötzlich ist der Inhaber 60 oder 65 Jahre alt – ohne Plan für die Zukunft. Wieviel kennt ihr davon? Oder gehört ihr selbst auch dazu?
Das passiert selten aus Nachlässigkeit. Sondern aus Hoffnung.
Die unausgesprochene Annahme lautet dann meistens: „Meine Kinder werden das Unternehmen übernehmen.“
Doch genau diese Annahme erweist sich immer häufiger als Irrtum. Denn vielleicht kommen die Kinder zu spat, oder die Kinder wollen nicht, oder die Kinder können nicht.
Warum wird das Thema verdrängt?
Die Gründe sind meist psychologischer Natur:
• Nachfolge bedeutet, sich mit der eigenen Endlichkeit auseinanderzusetzen, das macht keinen Spass
• Viele Unternehmer identifizieren sich vollständig mit ihrem Unternehmen, “mein” Lebenswerk.
• Man hofft, dass sich alles von selbst regelt, Prinzip Hoffnung halt.
• Das Thema wirkt komplex und unangenehm, “reden wir nächstes Jahr darüber”.
• Niemand möchte schwierige Gespräche innerhalb der Familie führen.
Je länger die Entscheidung hinausgeschoben wird, desto stärker wird das Unternehmen von einer einzigen Person oder einem Führungsduo abhängig.
Warum viele Kinder nicht übernehmen wollen
Viele Unternehmer interpretieren die Ablehnung ihrer Kinder als Undankbarkeit. Das ist meist falsch.
Die Welt hat sich verändert. Die nächste Generation verfügt über Möglichkeiten, die ihre Eltern nie hatten. Internationale Karrieren, Start-ups, globale Netzwerke und digitale Geschäftsmodelle konkurrieren heute mit dem Familienbetrieb.
Wer seinen Kindern eine hervorragende Ausbildung, Selbstständigkeit und Freiheit ermöglicht hat, sollte nicht überrascht sein, wenn diese ihren eigenen Weg gehen wollen.
Das ist kein Scheitern der Familie. Es ist oft das Ergebnis guter Erziehung. Und natürlich, vor allem wenn Unternehmen floriert haben, da ist auch häufig Geld da. Die Hungrigkeit fehlt dann eben. Auch so eine unbequeme Wahrheit über die niemand reden will.
Was dann kommt
Wenn du dein Unternehmen in fünf bis zehn Jahren übergeben möchtest, bist du wahrscheinlich bereits spät dran.
Eine professionelle Nachfolge dauert oft drei bis fünf Jahre oder länger. Es geht nicht darum, im letzten Moment jemanden zu befördern oder auf das Beste zu hoffen. Es geht um Entwicklung, Wissenstransfer, Kommunikation und eine schrittweise Übergabe.
Mit jedem Jahr des Wartens schrumpfen die Optionen.
Was erfolgreiche Unternehmer anders machen
• Nachfolge wird als strategisches Thema behandelt.
• Potenzielle Nachfolger werden früh identifiziert.
• Entscheidungen werden nach Kompetenz getroffen, nicht nach Verwandtschaft, Nepotismus hat noch nie langfristig funktioniert.
• Prozesse und Wissen werden dokumentiert.
• Führung wird auf mehrere Schultern verteilt.
• Innovation wird gefördert.
• Mitarbeiter werden gezielt entwickelt.
Ein wichtiger Gedanke aus den USA
Ja ja, ich weiss, die Amerikaner. Aber, wir sollten eben auch dort lernen wo es Sinn macht. Wir können Tausend Jahre über die Amis lästern, aber es hat einen Grund, dass sie so häufig erfolgreich sind. Oder wo kommt dein Laptop her, und das Handy? Eben.
Amerikanische Unternehmer betrachten Nachfolge häufig nüchterner. Sie planen den Ausstieg oft Jahre im Voraus, akzeptieren externe Nachfolger und betrachten ihr Unternehmen stärker als Vermögenswert statt als Teil ihrer Identität. Sie holen sich externe Ressourcen, wo es sinnvoll ist, und haben ganz grundsätzlich weniger Berührungsängste.
Diese Denkweise ist nicht in allen Punkten überlegen. Aber sie hilft dabei, rationale Entscheidungen zu treffen.
Was passiert, wenn nichts geschieht?
Die Folgen reichen weit über das einzelne Unternehmen hinaus.
• Arbeitsplätze gehen verloren. Und zwar garantiert.
• Regionen verlieren wichtige Arbeitgeber. Auch garantiert.
• Wissen verschwindet.
• Kunden und Lieferanten verlieren Vertrauen.
• Familien geraten in Konflikte.
• Unternehmenswerte werden vernichtet und ganze Regionen verlieren den Anschluss.
Die wichtigste Botschaft
Es geht nicht darum, ob die eigenen Kinder das Unternehmen übernehmen.
Es geht darum, rechtzeitig Entscheidungen auf Basis der Realität zu treffen – nicht auf Basis von Hoffnung. Hoffnung ist keine Strategie.
Die Unternehmen, die die kommenden Jahre erfolgreich überstehen, werden nicht zwangsläufig die innovativsten sein.
Es werden jene sein, die ihre Nachfolge geregelt haben.
Nicht irgendwann. Jetzt. Also, fang damit an.