Kleine Hotels in der Schweiz und die Herausforderungen, denen sie begegnen
Warum Unternehmen, die auf Tradition und Authentizität bauen, in der hyperskalierbaren Welt Mühe haben.
Jeder kennt das Jungfraujoch, Montreux, das Lavaux und die Genferseeregion, Zermatt und das Wallis, das Tessin, Locarno, Ascona, das Oberengadin, die Innerschweiz, die beschauliche, aber schöne Ostschweiz, den wilden Jura, die Seenlandschaften vom Berner Seeland zum Hallwilersee und nach Zürich. Und die Städte! Bern mit der berühmten Altstadt, Luzern, Basel... An Sehenswürdigkeiten mangelt es der Schweiz also nicht.
Und die Schweizer Hotellerie ist bekannt für hohe Qualität und eine lange Tradition. Viele Hotelmanager von globalen Spitzenhotels sind Schweizer – oder sind in eine Schweizer Hotelfachschule gegangen.
Hinter dieser Fassade aber kämpfen viele kleine Hotels ums Überleben. Die Schweiz hat eine überdurchschnittlich hohe Dichte an kleinen und mittelgrossen Hotels – oft familiengeführt, stark in der lokalen Kultur verankert und eigentlich Paradebeispiele für Authentizität. Doch die Realität ist weniger idyllisch. Qualität allein reicht nicht aus, wenn das System rundherum auf Skalierung ausgelegt ist und sich die Ansprüche und Bedürfnisse verändert haben.
Arbeitskräftemangel – ein strukturelles Problem
Eines der grössten Hindernisse der Schweizer Hotellerie ist der Mangel an Personal – nahezu die Hälfte aller Beherbergungsbetriebe hat Probleme bei der Rekrutierung. Die Gründe sind vielschichtig:
- Starke saisonale Schwankungen, vor allem in alpinen Regionen – wenige Menschen sind bereit, saisonal zu arbeiten, und der Mangel an Personalunterkünften verschlechtert die Lage weiter.
- Lange und unregelmässige Arbeitszeiten in der Gastronomie und Hotellerie.
- Begrenzte Karriereperspektiven in kleinen Betrieben.
- Alternde Bevölkerung – zu wenige junge Arbeitskräfte rücken nach.
Die Folgen: steigende Löhne, wachsende Service-Lücken und höhere Burnout-Raten unter den verbleibenden Mitarbeitenden. Besonders hart trifft es Hotels in den Alpen, wo der Tourismus stark saisonal ist und die lokale Bevölkerung schrumpft.
Was uns zum nächsten Dilemma bringt. Einerseits sind wir auf Mitarbeiter aus dem Ausland angewiesen, andererseits sind vor allem vermögende Touristen etwas befremdet, wenn sie im Hotel oder Restaurant keinem Schweizer Angestellten begegnen. Jetzt kannst du sagen ist doch egal, aber wie fühlst du dich, wenn du in Italien keine Italiener, in Griechenland keine Griechen und in Spanien keine Spanier mehr antriffst, die im Restaurant oder im Hotel arbeiten? Niemand getraut sich, über dieses heikle Thema zu reden. Aber das Nichtansprechen von Problemen löst diese auch nicht...

Finanzielle Engpässe und die Investitionslücke
Kleine Hotels haben oft nicht genug Kapital für Renovationen, Modernisierungen oder digitale Transformationsprojekte – und fallen damit im Wettbewerb gegen grössere Player zurück.
Eine Faustregel in der Branche besagt: Hotels mit mehr als 100 Zimmern erzielen wesentlich höhere Profitabilität, schlicht aufgrund der Skaleneffekte. Kleinere Häuser haben höhere Kosten pro Zimmer – ob Personal, Reinigung, Energie oder Wartung. Steigende Energie- und Lebensmittelpreise treffen sie besonders hart, weil ihre Verhandlungsmacht gering ist.
Höhere Preise zu verlangen, würde Gäste abschrecken; sie nicht zu verlangen, zerstört die Marge.
Dadurch sind kleine Hotels weniger attraktiv für Private Equity-Firmen oder internationale Investoren. Sie müssen sich oft auf Familienfinanzierung oder lokale Banken stützen – was Innovation und Wachstum begrenzt.
Digitalisierung und technologisches Management
Technologie verändert die Branche rasant – und schafft damit gleichzeitig Chancen und Risiken. Neue Systeme können Effizienz steigern und Gästeerlebnisse verbessern. Aber kleine Hotels können oft nicht Schritt halten, weil ihnen Zeit, Personal und Expertise fehlen.
Zu den Bereichen, in denen sie häufig hinterherhinken, gehören:
- Channel-Management
- Professionelles Branding
- Property-Management-Systeme
- Automatisierte Preis- und Buchungsprozesse
- Online-Marketing und digitale Sichtbarkeit
Digitale Kompetenz wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Doch viele kleine Hotelsarbeiten weiterhin mit manuellen Prozessen oder veralteter Software – was zu Ineffizienzen und Umsatzeinbussen führt.
Wettbewerb und Sichtbarkeit
Kleine Hotels stehen unter massivem Druck durch:
- Grosse Hotelketten
- Online Travel Agencies (OTAs)
- Airbnb und so weiter
OTAs sind unverzichtbar für Sichtbarkeit – aber sie verlangen hohe Kommissionen, die insbesondere kleine, unabhängige Hotels belasten.
In einem übersättigten Online-Markt wird es immer schwieriger, mit Persönlichkeit statt Preis zu punkten. Authentizität und lokale Verankerung sind ihre Stärken – doch sie müssen diese Werte mittels gutem Marketing sichtbar machen und klar gegen die generischen, oft billigeren Angebote positionieren. Und gutes Marketing und ein cooles Branding kommen meistens nicht von der Tante oder dem Cousin. Nepotismus ist nämlich teuer.
Eine Nischenstrategie – thematische Ausrichtung, besondere Zielgruppen – kann hier ein entscheidender Hebel sein.
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Regulierung und rechtliche Hürden aka Bürokratie
Regulatorische Auflagen treffen kleine Hotels unverhältnismässig stark. Die Lex Koller, welche den Erwerb von Immobilien durch Ausländer einschränkt, limitiert potenzielle Käufer und Investoren – ein kritischer Faktor für Betriebe, die überleben wollen.
Zusätzlich gibt es Rechtsunsicherheiten bei Hotels, die nicht eindeutig als Gewerbeimmobilien gelten, sowie komplexe lokale Bauregeln, die Investitionen in kleineren Gemeinden erschweren.
Message an Politiker und die Angestellten von Bund, Kantonen und Gemeinden: Mit eurer Bürokratiewut und immer neuen Gesetzen und Verordnungen würgt ihr die kleinen Firmen ab und zerstört letztendlich eure eigene Lohnbasis, denn die Konzerne interessiert die Belange in eurem Dorf eher gar nicht. Ganz etwas Neues, ja?
Steigende Gästeerwartungen
Gäste erwarten heute deutlich mehr als früher. Dazu gehören:
- Hochgeschwindigkeits-WLAN (erinnert ihr euch noch an die Zeiten, wo für einen Tag Wi-Fi mal schnell 20 Franken fällig wurden?)
- Personalisierte Erlebnisse, lokales Cachet (das Personal, das eben auch Bärndüütsch spricht)
- Swissness, die den Namen verdient und nicht nur ein Schweizerkreuz (siehe oben, mit dem lokalen Dialekt sprechenden Personal)
- Fitnesscenter
- Nachhaltige Lösungen (ja, manchmal fast schon überdehnt das Wort)
- Moderne, komfortable Ausstattung
- Arbeitsfreundliche Umgebungen für Remote Worker, Co-Working Spaces und so weiter
Kleine Hotels können dieses Niveau nicht immer finanzieren. Dennoch haben sie einen Vorteil, den grosse Ketten nie kopieren können: echte persönliche Betreuung und emotionale Bindung.
Der starke Franken
Die starke Schweizer Währung ist ein strukturelles Problem für den Tourismus. Sie verteuert die Schweiz im internationalen Vergleich und erhöht damit den Druck auf die Branche, besonders auf Betriebe mit vielen internationalen Gästen.
Viele kleine Hotels müssen einen Teil dieser Belastung selbst abfedern – ihre ohnehin dünnen Margen werden weiter geschmälert.
Was machen wir also?
Die Zukunft kleiner Hotels in der Schweiz hängt von diesen Punkten ab:
- Intelligentere Nutzung digitaler Tools
- Bessere Rekrutierungsanreize und attraktive Arbeitsmodelle, gute lokale Mitarbeiter freuen sich über ein modernes Management und Beteiligungen (was jetzt viele gar nicht gerne hören werden)
- Zielgerichtete Unterstützung durch Staat und Tourismusorganisationen (das Wort ist zielgerichtet)
- Eine klare Positionierung auf Authentizität und menschliche Gastfreundschaft mit lokalem Cachet, denn wenn überall die gleichen Leute arbeiten kann ich auch überallhin gehen.
